Akademie

Währungsrisiko und Umrechnung

Invest-Control-Redaktion7 Min. Lesezeit
  • Währungen
  • Risiko
  • Ausländische Anlagen

Wer ausländische Aktien hält, handelt eigentlich zwei Dinge gleichzeitig: das Unternehmen selbst und die Währung, in der die Aktie gehandelt wird. Selbst wenn der Aktienkurs stillsteht, kann sich der Wert Ihres Portfolios verändern — allein wegen des Wechselkurses. Dieser Artikel erklärt, woher das Währungsrisiko kommt, wie es sich über kurze und lange Horizonte zeigt und welche Werkzeuge es dämpfen.

Woher die Bewegung ohne Kursbewegung kommt

Stellen Sie sich einen europäischen Anleger vor, der eine in Dollar notierte US-Aktie hält. Der Aktienkurs ändert sich an einem Tag nicht, aber der Dollar schwächt sich um 2 % gegenüber dem Euro ab. In Euro umgerechnet liegt der Anleger 2 % im Minus — obwohl mit dem Unternehmen überhaupt nichts passiert ist.

Bei einer ausländischen Anlage hinterlassen sowohl der Aktienkurs als auch der Wechselkurs Spuren im Ergebnis. Beides summiert sich.

Das nennt man Währungsrisiko (Wechselkursrisiko): die Unsicherheit, die daraus entsteht, dass Sie den Wert einer Fremdwährungsanlage letztlich in Ihrer eigenen Heimatwährung messen.

Notierungswährung vs. Portfoliowährung

Es hilft, zwei Begriffe zu trennen:

  • Notierungswährung — die Währung, in der eine Anlage an ihrer Börse gehandelt wird (Dollar, Pfund, Yen…). Der Markt legt sie fest, nicht Sie.
  • Portfoliowährung — die Währung, in der Sie Ihr Vermögen verfolgen und messen (in der Regel Ihre Heimatwährung).

Dazwischen steht eine Umrechnung zum aktuellen Kurs. Ein anschauliches Beispiel: Kaufen Sie eine Aktie für 100 USD bei einem Kurs von 0,90 €/$, kostet sie Sie 90 €. Steigt die Aktie auf 110 USD, schwächt sich der Dollar aber auf 0,82 €, halten Sie 110 × 0,82 = 90,20 € — ein Kursgewinn von 10 % ist auf fast nichts geschrumpft, weil die Währung ihn weitgehend aufgezehrt hat. Umgekehrt gilt es ebenso: eine schwächere Heimatwährung kann einen ausländischen Gewinn noch vergrößern.

Währungsabsicherung (Hedging)

Der Währungseffekt lässt sich durch Absicherung begrenzen. In der Praxis bieten das währungsgesicherte (hedged) ETFs: mithilfe von Währungskontrakten schirmen sie die Kursbewegung ab, sodass die Rendite eher dem Basiswert als der Währung folgt.

Absicherung gibt es jedoch nicht umsonst:

AspektWas es bedeutet
KostenAbsicherung kostet Geld (Zinsdifferenzen, Gebühren), was die Rendite mindert.
SymmetrieSie schirmt den Verlust aus einer ungünstigen Währungsbewegung ab — aber auch den Gewinn aus einer günstigen.
UnvollkommenheitAbsicherungen sind nur näherungsweise und werden periodisch erneuert, ein kleiner Rest bleibt.

Absicherung ist also weder „besser“ noch „schlechter“ — sie verändert nur die Natur des Risikos. Sie ergibt mehr Sinn, wo die Währungskomponente unerwünscht ist (etwa bei kurzem Horizont), und weniger, wo Währungsvielfalt gerade willkommen ist.

Dividenden und Steuern in Fremdwährung

Die Währung verkompliziert auch Erträge. Eine Dividende aus einer ausländischen Aktie kommt in Fremdwährung an, ebenso die an der Quelle einbehaltene Steuer. Für die heimische Buchführung und die Steuererklärung wird beides in die Heimatwährung umgerechnet — meist zum Kurs am Stichtag — und die Umrechnung von Steuer und Bruttobetrag muss zusammenpassen. Die Mechanik der Besteuerung selbst (Quellensteuer, Anrechnung, Abkommen) behandelt der eigene Artikel wie ausländische Dividenden besteuert werden.

Kurzfristig vs. langfristig

Der Währungseffekt verschiebt sich mit dem Horizont. Kurzfristig können Wechselkurse stark schwanken und die Kursbewegung der Aktie leicht übertönen — für jemanden, der über ein paar Monate handelt, ist es eine entscheidende Größe. Langfristig bewegen sich Kurse eher um langfristige Niveaus, und ihr Einfluss auf ein gut gestreutes Portfolio mildert sich, auch wenn er nie ganz verschwindet.

Zugleich muss Währung nicht nur ein Risiko sein — sie kann auch Teil der Diversifikation sein: Anlagen in mehreren Währungen zu halten bedeutet, nicht alles auf das Schicksal einer einzigen zu setzen. Es ist eine der Achsen, entlang derer sich ein Portfolio streuen lässt — mehr im Artikel zur Diversifikation.

Wo Invest Control hilft

Invest Control erfasst zu jeder Anlage ihre ursprüngliche Währung und rechnet Werte zum aktuellen Kurs um, sodass Sie Ihr Portfolio einheitlich in der von Ihnen gewählten Währung sehen — über Dollar, Euro, Pfund und weitere hinweg. Weil jede Anlage nach ihrer Börse und Währung geführt wird (der Zusammenhang wird im Artikel zu ISIN, Ticker und Börse erklärt), erkennen Sie, wie viel Ihres Vermögens tatsächlich an welcher Währung hängt — und das Währungsrisiko wird so nicht länger unsichtbar.

← Zurück zur Akademie