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Dividenden- vs. Wachstumsanlage

Invest-Control-Redaktion7 Min. Lesezeit
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Unter Anlegern verläuft oft eine Trennlinie: Die einen setzen auf Aktien, die regelmäßig Dividenden zahlen, die anderen auf Unternehmen, deren Wert vor allem wächst. Es ist kein Kampf zwischen Gut und Böse — es sind zwei Wege, aus einer Anlage einen Ertrag zu erzielen. Dieser Artikel erklärt, worin sie sich unterscheiden, wo meist ein verstecktes Missverständnis lauert und woran man eine Entscheidung festmachen kann.

Zwei Ertragsquellen

Der Ertrag einer Aktie kann auf zwei Wegen entstehen:

  1. Kursgewinn — der Aktienkurs steigt, und der Gewinn wird erst beim Verkauf realisiert. Typisch für schnell wachsende Firmen, die ihren Gewinn lieber in das eigene Wachstum reinvestieren, als ihn auszuschütten.
  2. Dividende — das Unternehmen zahlt einen Teil des Gewinns laufend an die Aktionäre aus. Charakteristisch für etablierte, stabile Gesellschaften, die keinen sinnvolleren Ort mehr haben, um ihren gesamten Gewinn zu investieren.

Die Dividendenanlage bevorzugt ein greifbares, wiederkehrendes Einkommen. Die Wachstumsanlage verzichtet darauf zugunsten eines größeren Wertsteigerungs­ potenzials. Beide streben dasselbe Ziel an — Vermögen aufzubauen — nur auf einem anderen Weg.

Der Mythos „Dividende ist zusätzliches Geld"

Der häufigste Irrtum lautet, eine Dividende sei ein Bonus, den man erhält, während die Aktie unberührt bleibt. So funktioniert es nicht. An dem Tag, an dem die Aktie ohne Anspruch auf die Dividende gehandelt wird (dem Ex-Dividenden-Tag), fällt ihr Kurs in der Regel um etwa die Höhe dieser Dividende.

Eine Dividende ist kein Ertrag aus dem Nichts — sie ist ein Teil des Unternehmenswerts, der dem Kurs entnommen und auf Ihr Konto verschoben wird.

Zur Veranschaulichung: Eine Aktie zu 100 zahlt eine Dividende von 3. Am nächsten Tag wird sie um 97 gehandelt, und Sie halten 3 in bar. Insgesamt weiterhin 100 — nur anders aufgeteilt. Durch die Ausschüttung wurde das Unternehmen tatsächlich um diesen Betrag ärmer. Eine Dividende schafft daher für sich genommen kein Vermögen; sie verschiebt es vom Wert Ihres Anteils in Bargeld.

Die Gesamtrendite ist der richtige Maßstab

Weil Kurs und Dividende verbundene Gefäße sind, ergibt es keinen Sinn, nur eines davon zu betrachten. Der wahre Maßstab ist die Gesamtrendite:

Gesamtrendite = Kursbewegung + gezahlte Dividenden

Eine Aktie, die über ein Jahr um 4 % gestiegen ist und 3 % Dividende gezahlt hat, lieferte in etwa dieselbe Gesamtrendite wie eine Aktie, die um 7 % stieg und nichts zahlte. Eine hohe Dividendenrendite ist daher für sich kein Zeichen der besseren Anlage — sie kann auch nur bedeuten, dass der Kurs gefallen ist oder dass die Firma keine bessere Verwendung für ihren Gewinn hat. Wer nur Dividenden­ renditen vergleicht, vergleicht unvollständige Zahlen.

Der steuerliche Aspekt

Ein Unterschied zwischen den Ansätzen lässt sich jedoch nicht übersehen: die Steuer fällt zu einem anderen Zeitpunkt an. Ein Kursgewinn wird meist erst beim Verkauf besteuert — bis dahin arbeitet der gesamte Betrag weiter. Eine Dividende dagegen wird im Moment der Auszahlung besteuert, ob Sie das Geld brauchen oder nicht, und bei ausländischen Aktien mischt sich noch eine Quellensteuer ein. Die Mechanik von Doppelbesteuerung, Anrechnung und Abkommen behandelt ein eigener Artikel dazu, wie Dividenden aus ausländischen Aktien besteuert werden.

Die laufende Besteuerung von Dividenden bremst den Zinseszins leicht, weil der besteuerte Teil nicht weiter wächst. Über einen langen Horizont ist das nicht vernachlässigbar.

Wem welcher Ansatz passt

Die Wahl hängt oft mit der Lebensphase des Anlegers zusammen:

PhaseWas sinnvoll ist
Aufbau (Vermögen bilden)Eine Wachstumsausrichtung und Reinvestition; Bargeldeinkommen brauchen Sie jetzt nicht, und laufende Steuern bremsen nur.
Entnahme (vom Vermögen leben)Ein regelmäßiges Dividendeneinkommen kann Ausgaben decken, ohne Anteile verkaufen zu müssen.

Auch die Psychologie spielt eine Rolle. Eine Dividende ist greifbar — Sie sehen, dass „etwas hereinkommt", was hilft, an einem langfristigen Plan festzuhalten. Der Wachstumsansatz verlangt mehr Disziplin: Der Gewinn steht nur auf dem Papier, bis Sie verkaufen, und es ist leichter, bei einem Einbruch in Panik zu geraten. Wie man im Ruhestand sicher aus dem Vermögen entnimmt, ohne es aufzuzehren, beschreibt die 4-%-Regel. Bei Fonds wird das ganze Dilemma zudem elegant durch einen Wechsel zwischen der thesaurierenden und der ausschüttenden Variante desselben ETF gelöst.

Wo Invest Control hilft

Invest Control zeigt beide Seiten der Medaille zusammen — die Wertentwicklung des Portfolios und die erhaltenen Dividenden, über Währungen hinweg und zum aktuellen Kurs umgerechnet. Sie müssen die Gesamtrendite nicht von Hand aus zwei Quellen zusammensetzen: Sie sehen, wie viel aus der Kursbewegung und wie viel aus Dividenden kam, und entscheiden anhand der vollständigen Zahl, nicht der Hälfte.

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